- metadata: 35/16 mm Film l 1:1,66 l 3:00 min l black & white l Dolby SR l 2006
By processing a handful of shots of casually acquired black and white film material, Kämmerer has a boy incessantly climb and descend the stairs of a house. Dressed in a tie and overalls he seems to be the precocious engineer of a machine which compels him to his „escalation“.
(Thomas Korschil)
In this film by Björn Kämmerer, a boy is depicted running up and down a flight of stairs, his footsteps creating a complex rhythm that results in an artistically musical effect.
(Cammila Albertson)
escalator von Björn Kämmerer ist eine filmische Reflexion über Raum und Zeit. Das Ausgangsmaterial ist ein Lehrfilm, der 1964 für den Englischunterricht gedreht wurde. In seinem Titel “What’s the time?” wird die Frage nach dem Wesen der Zeit gestellt. In pädagogischer Absicht wird versucht, Zeitabläufe zu veranschaulichen und Raum und Zeit in den Phänomenen der Bewegung und der Dauer sensomotorisch wahrnehmbar zu machen. Die dabei zur Anwendung kommenden filmischen Strategien sind die Herstellung eines zusammenhängenden Filmraums und einer überschaubaren und klar gegliederten Chronologie der Ereignisse. Ein Junge verkörpert das Maß der Zeit und zählt mit seinen Schritten die Zeitdauer.
Björn Kämmerer unterläuft das im Lehrfilm narrativ gestaltete Bewegungsbild, indem er die Abbildung des Alltäglichen in Frage stellt. In escalator entsteht die Vorstellung eines beliebigen Raumes. Die Desorientierung des filmischen Raums als Wahrnehmungsraum wurde bereits von Maya Deren und Alexander Hammid in ihrem Film “Meshes of the Afternoon” (USA 1942) richtungsweisend umgesetzt. Das kleine Haus, das Deren und Hammid bewohnten, wird mit Trickmontage und Zeitlupe zu einer Villa mit endlosen Treppen und verschachtelten Räumen. Die Raumwahrnehmung wird dadurch unberechenbarer und folglich unbeherrschbarer. Auch in escalator geht es darum, einen unheimlichen Zeitraum durch Spiegelungen von einzelnen Bildern und Szenen aus dem Found Footage herauszuarbeiten. Das Steckenbleiben in der Endlosschleife wird durch die Konsequenz der Bildwiederholungen und der Schnittverkürzung immer deutlicher.
Der Sound wurde mit einem Kontaktmikrofon von einem Rolltreppenmotor abgenommen. Damit wird das Motiv der Endlosschleife und die Dramaturgie der Klimax auf der Tonebene verstärkt. Insgesamt verweist die in der Montage hergestellte audiovisuelle Endlosschleife auf den Filmtransport und den mechanischen Apparat der Bewegungssimulation. Auch escalator wird auf 35mm ausbelichtet.
Doch am Ende erweist sich das endlose Labyrinth als falsche Fährte. Der Filmtransporter gerät ins Stocken, der mechanische Antrieb, die Projektion des Lichts – die Nostalgie der Bewegungsapparates. Überraschend wird die Dynamik der Bewegung unterbrochen. Das „fotografische“ Standbild zäsuriert die filmische Wahrnehmung mit einer Pointe. Der dramatische Höhepunkt von escalator geschieht da, wo nichts geschieht, wenn nichts bewegt wird: im Stillstand des Kaders. (Ramón Reichert)